Reiner Wertstoff Recycling GmbH - 86874 Tussenhausen

LEW Pressemitteilung

02. September 2015, LEW Verteilnetz GmbH

 

Mit Batteriespeichern das Stromnetz entlasten

 

Forschungsprojekt Smart Power Flow erprobt Einsatz von Großbatterien  - Ortsspeicher  in Tussenhausen in Betrieb genommen

Im Projekt Smart Power Flow wird der Einsatz einer großen Vanadium-Redox-Flow-Batterie im lokalen Niederspannungsnetz der LEW Verteilnetz GmbH (LVN) erprobt. Dazu wurde heute der Ortsspeicher in Tussenhausen offiziell in Betrieb genommen.  Der Batteriespeicher soll das regionale Stromnetz unterstützen und entlasten. Er ist der bislang größte Speicher seiner Art in Bayern. An dem Pilotprojekt Smart Power Flow sind neben der LVN auch das Reiner Lemoine Institut, die SMA Solar Technology AG und der Speicherpionier Younicos AG beteiligt.

Der Umbau der Energieversorgung in Deutschland hat große Auswirkungen auf die regionalen Stromnetze. Ursprünglich waren die Netze zum Verteilen des Stroms angelegt. Heute sammeln sie in Bayerisch-Schwaben auch immer mehr Strom aus den zahlreichen Photovoltaik-Anlagen ein. Der neue Ortsspeicher soll den überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien lokal zwischenspeichern und später bei Bedarf wieder ins Ortsnetz abgeben. Der Batteriespeicher schafft so einen effizienten, lokalen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch.
Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer: „Wir stellen unser Energiesystem um und sind bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Bayern im bundesweiten Vergleich Vorreiter. Umso wichtiger ist es, die erneuerbaren Energien optimal in das Stromnetz zu integrieren. Hierbei spielen Pilotprojekte wie Smart Power Flow eine bedeutende Rolle.“

Im Projekt Smart Power Flow soll untersucht werden, inwiefern ein regionaler Netzausbau durch den Einsatz von Batteriespeichern vermieden werden kann. Der Ortsspeicher unterstützt die lokale Spannungshaltung, so dass zukünftige Netzausbaukosten minimiert und die Aufnahmefähigkeit des Verteilnetzes für erneuerbare Energien maximiert wird. Außerdem möchten die Projektpartner mit dem Ortsspeicher verschiedene Betriebs- und Vermarktungsweisen erproben, wie z.B. Spannungshaltung, Frequenzregelung, Blindleistungsmanagement und die Teilnahme am Regelenergiemarkt. Damit soll gezeigt werden, dass der Spagat zwischen wirtschaftlichem und netzstützendem Betrieb möglich ist.

Verteilnetze bilden das Rückgrat für das dezentrale Energiesystem der Zukunft“, sagt LEW-Vorstandsmitglied Dr. Markus Litpher. „Wir wollen die Energiewende in der Region voranbringen. Dafür testen wir gemeinsam mit Partnern und Bürgern neue Technologien. Für die Region ist der Ortsspeicher hier in Tussenhausen ein Vorzeigeprojekt auf dem Weg in die Energiezukunft.“

Clemens Triebel, Mit-Gründer des Speicherpioniers Younicos, ergänzt: „Wir freuen uns darauf, zeigen zu können, wie vielseitig intelligente Speicher auch auf Verteilnetzebene eingesetzt werden können. Wie die schon heute wirtschaftlichen Batterieparks auf Übertragungsnetzebene ermöglichen auch sie es uns, mehr erneuerbare Energien zu nutzen.”

Als Standort für den Ortsspeicher wurde die Marktgemeinde Tussenhausen im Landkreis Unterallgäu aus 80 möglichen Orten ausgewählt: Zum einen speisen im Ortsnetz mehrere Photovoltaikanlagen Strom mit einer Leistung von maximal 560 Kilowatt ein. Zum anderen ist ein entsprechend großer Ortsnetztransformator vorhanden. Der Batteriespeicher wurde am Ortsrand auf dem Gelände der Reiner Wertstoff Recycling GmbH aufgestellt. Der Standort bietet ausreichend Platz, ist gut zugänglich und liegt in der Nähe der Ortsnetzstation.

Mit einer Leistung von 200 Kilowatt und einer Kapazität von 400 Kilowattstunden ist der Ortsspeicher in Tussenhausen bayernweit der größte seiner Art. Außerdem kommt die erste Vanadium-Redox-Flow-Batterie, der sogenannte CellCube FB200-400 DC von Gildemeister energy solutions, im süddeutschen Raum zum Einsatz. Bei dieser speziellen Technologie speichert die Batterie die elektrische Energie in Form von flüssigen Elektrolyts.

Eine Vanadium-Redox-Flow-Batterie bietet zahlreiche Vorteile: Sie verfügt über eine hohe Lebensdauer, hat nahezu unbegrenzte Ladezyklen und kann ohne Probleme komplett entladen werden. Die Batteriekapazität ist dank ihres modularen Aufbaus beliebig erweiterbar und muss außerdem kaum gewartet werden.

Der Großspeicher ist besonders für den Einsatz als Quartierspeicher oder für Industrie und Gewerbe geeignet. So könnten in Zukunft beispielsweise Gemeinden, große Unternehmen, Gewerbekunden oder landwirtschaftliche Betriebe einen solchen Speicher nutzen, um ihren Eigenverbrauch zu erhöhen oder am Regelenergiemarkt teilzunehmen.

Projektpartner bei dem für drei Jahre angelegten Projekt sind das Reiner Lemoine Institut, die SMA Solar Technology AG, LEW Verteilnetz GmbH und Younicos. Die Kosten für das Forschungsvorhaben belaufen sich auf insgesamt 2,9 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt Smart Power Flow aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Weitere Informationen unter www.forschung-energiespeicher.info.

Die LEW Verteilnetz GmbH sorgt als regionaler Verteilnetzbetreiber für einen zuverlässigen und sicheren Betrieb des Stromnetzes und gewährleistet einen diskriminierungsfreien Netzzugang. Das Netzgebiet der LEW Verteilnetz GmbH umfasst Bayerisch-Schwaben sowie Teile Oberbayerns. Die LEW Verteilnetz GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Lechwerke AG (LEW).

Das Reiner Lemoine Institut arbeitet im Bereich der Systemintegration von erneuerbaren Energiesystemen in den Schwerpunktbereichen optimierte Strom- und Wärmemodelle, alternative Mobilitätskonzepte und Off-Grid-Systeme.

Die SMA Gruppe ist Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern und bietet innovative Schlüsseltechnologien für künftige Energieversorgungsstrukturen an. Sie hat ihren Hauptsitz in Niestetal bei Kassel und ist in 21 Ländern vertreten. Die Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit mehr als 4.000 Mitarbeiter.

Younicos ist ein weltweit führender Anbieter von intelligenten Netz- und Energiespeicherlösungen auf Basis unterschiedlicher Batterietechnologien. Younicos wurde im Jahr 2005 in Berlin gegründet und beschäftigt dort sowie in Austin (USA) mittlerweile rund 120 Mitarbeiter.

Informationen zum Projekt Smart Power Flow finden Sie unter: www.lew.de/energiezukunft/smart-power-flow/ 

Bildunterschrift: Nahmen heute den neuen Ortsspeicher in Tussenhausen in Betrieb (v.l.): Johannes Ruf, 1. Bürgermeister Markt Tussenhausen, Volker Wachenfeld, SMA Solar Technology AG, Dr. Markus Litpher, LEW-Vorstandsmitglied, Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Philip Hiersemenzel, Younicos, Dr. Claus Beneking, Reiner Lemoine Institut gGmbH.

Bildnachweis: LEW / Ruth Plössel

 

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